Der Entwurf zeigt lose über die Wandflächen verteilte filigrane Bleistift- und Graphitzeichnungen, welche direkt auf die mit Stuccolustro überarbeiteten Rigipswände des Flures aufgetragen sind. Mit diesem Rückgriff auf die seit der Antike verwendete Technik verweist der Künstler auf die Tradition der großen Wandmalereien der Geschichte. Der Leitgedanken dieses Entwurfs bildet dabei die Aussage, dass die Handzeichnung die Grundlage der Visualisierung des menschlichen Denkens und Entwerfens darstellt. Dies gilt sowohl für die Malerei, die Bildhauerei, die Musik, aber auch für die Architektur und Projektentwicklung. Eine flüchtige Handskizze kann Zusammenhänge und Prozesse – in Form von Diagrammen und Netzwerkdarstellungen – veranschaulichen, die für die Allgemeinheit nicht erkennbar sind. Dies gilt auch für Projekte, die innerhalb von Ministerien und staatlichen Institutionen kommuniziert werden.

Gestalterische und räumliche Qualität:
Die direkt auf die Wandfläche aufgetragenen zarten Handzeichnungen stellen ein „Mixtum Compositum“ von baulichen Raumsituationen und Architekturelementen aus der Umgebung des BMAS dar. Die vor Ort entstandenen Handzeichnungen wurden vom Künstler im Atelier überarbeitet, aus dem Zusammenhang herausgelöst und als veränderte Bewegungsmuster und Raumkompositionen neu zusammengefügt. Eine Verbindung zwischen den einzelnen Details wird teilweise durch kräftig gezeichnete und fast futuristisch anmutende lange Fluchlinien, die sich quer über das Bild spannen, hergestellt. Durch die Fragmentierung der einzelnen Zeichnungen kann der Betrachter auf den ersten Blick keinen schlüssigen narrativen Bildinhalt erkennen. Er muss sich den Inhalt des Dargestellten „selbst erschließen“. Das Kalkül des Künstlers ist es dabei, den Betrachter unmittelbar in die Kommunikation einzubeziehen und ihn anzuregen, den Inhalt des Bildes stets neu zu durchdenken und dabei möglichst viele Interpretationsspielräume zu zulassen. Mit der Reduktion auf die Zeichnung, die die Grundlage des Entwerfens ist, hebt der Künstler das erstarrte Schema des tradierten historischen Wandgemäldes mit narrativem Inhalt auf. Diese feinsinnige Arbeit wird auch noch über Jahre hinweg die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich ziehen und die Kommunikation mit den Vorbeigehende aufrecht erhalten.

Die sich – vom jeweiligen Betrachter aus – veränderte Ausgangsbasis zur Interpretation des Bildes entspricht dabei nicht nur dem Ablauf des täglichen Lebens im Umfeld des BMAS – in dem der urbane, schnelle Wechsel und die Neubesetzung von Plätzen, Räumen und Zeichen gespiegelt wird – sondern auch dem Selbstverständnis des BMAS, Entscheidungsfindungen – abhängig von den äußeren Umständen und Einflüssen aus der Gesellschaft – täglich neu zu reflektieren und zu prüfen.

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